Admins - die heimlichen Innovationsbremsen

16.04.2011 20:26
ca. 3 Minuten Lesezeit

Admins sind in den Augen vieler Menschen ein Mythos. Man sieht sie nie, bei Problemen helfen sie einem nur widerwillig, aber plötzlich funktioniert wieder alles und man schiebt es auf die Admins. Außerdem retten sie einem den Allerwertesten, wenn man mal wieder versehentlich eine Datei gelöscht hat.

Nun haben wir aber derzeit wieder einen Generationssprung. Admins sind jetzt “alteingesessen”, Nachwuchs ist rar und die, die das System am Laufen halten, werden immer teurer. Aber für den gemeinen Admin ist sein zu betreuender Serverpark “sein Baby”. Er hat es mit Liebe gezeugt und die ersten Atome (Bauteile) vielleicht sogar noch selbst zusammengebaut, dann ist es hysterisch (kein Schreibfehler) gewachsen, hat Sprechen gelernt (automatisches Logging bei Problemen) und lernte das Laufen. Natürlich hat er immer ein offenes Ohr, wenn das Baby schreit und dann steht er, wie eine liebende Mutter ohne Murren auf und tröstet es, gibt ihm was zu Trinken oder wechselt die Windel.

Dank der Innovationen allerdings kommt jetzt das Jugendamt (die PR-Abteilung) daher und sagt: “Hey, wir lagern dein Baby in die Cloud aus. Du darfst es nicht mehr anfassen und wenn die Windeln gewechselt werden müssen, machen dies andere für dich. Außerdem kannst du dir jederzeit nach Bedarf die Größe deines Kindes aussuchen.”. Aber es ist nicht das Selbe für ihn, den fürsorglichen, zum Vater gereiften Admin. Er hängt an seinen Strukturen, aber auch an seiner Macht über sein Baby. Dieses bisschen Macht würde ihm genommen werden, auch wenn er dadurch ein flexibles Kind bekäme, um das er sich dann in einer Kindererzieher-Rolle kümmern könnte.

Was will ich damit sagen? Ich höre immer wieder, dass in Firmen die Admins die treibende Kraft gegen Cloudservices sind. Angeblich sei alles immer nicht sicher genug - was natürlich Humbug ist, da Verschlüsselung ein bereits gelöstes Problem ist. Außerdem sind Admins in der Regel, wie auch Programmierer, recht faul. Diese Eigenschaft macht ihn widerum sehr effektiv.

Leider trifft diese Faulheit nicht nur bei Servern und Hardware zu, sondern auch bei Software. Ich möchte nicht wissen, welch alte Software-Versionen in so manchem Firmennetzwerk noch rumlungert, weil die Admins zu “gesetzt” sind. Nun kam die Tage eine neue Adobe-Flash-Version heraus, die Sicherheitslücken behebt, die bereits ausgenutzt werden. Aufgrund der Tatsache, dass in Großkonzernen noch der Internet Explorer 6 zum Einsatz kommt, der mittlerweile 10 Jahre alt ist, sind solche Fälle natürlich besonders heikel: Ein unsicherer Browser mit einem unsicheren Plugin. Leider gilt hier nicht die typische Mathe-Regel: Minus mal Minus ergibt Plus. Diese Sicherheitslücken vervielfachen das Problem.

Was ich derzeit gut finde: Die Browser-Hersteller wollen häufiger releasen. Dies macht es den Entwicklern nahezu unmöglich, eine Webseite, sei sie für Inter- oder Intranet, für eine gezielte Browserversion zu schreiben. Ansonsten müssten sie alle 6 Wochen wieder die Software aktualisieren. Man beschränkt sich darauf, die Standards einzuhalten und diese umzusetzen. Workarounds werden immer unbeliebter und werden aussterben. Wenn ein Browser dies nicht richtig anzeigt, wird er es wahrscheinlich in der nächsten, überarbeiteten Version tun (noch Zukunftsmusik, aber wohl in 1-2 Jahren). Diese Update-Häufung wird Admins dazu zwingen, in Zukunft keine Browser mehr im Netzwerk zu pflegen, die 4 Versionen vor der aktuellen ist. Das verstehen dann nämlich auch Chefs, da diese meist auf Zahlen gucken.

Vielleicht bekommt man so die Sicherheitsprobleme durch Faulheit dann auch wieder in den Griff.


Hier gibt es keinen Kommentarbereich. Hast du etwas zu kommentieren? Dann blogge einfach selbst. Oder schreib darüber mit deinem Kommentar in einem sozialen Netzwerk deiner Wahl.