Meine Learnings aus dem Silicon Valley

29.10.2022 03:45
ca. 6 Minuten Lesezeit

Ich befinde mich zurzeit im Rahmen eines Startup-Acceleration-Programms im Silicon Valley. Für die Geografie-N00bs unter euch: Das ist der Bereich zwischen San Francisco und San José in Kalifornien.
Wir sind hier mit diversen Firmen aus Deutschland, überwiegend aus Schleswig-Holstein und Hamburg, aber auch aus Niedersachsen und dem Saarland.

Und wie das natürlich immer so in einer neuen Umgebung ist: Ich nehme, wie auch schon damals 2018/19 in New York City, einiges an neuen Ansichten und Erfahrungen mit.

Deutsche Büroeinrichtungsvorgaben erfüllen einen Sinn

Schon damals in NYC fand ich befremdlich, dass es Büros im Keller gab, so ganz ohne Fenster, völlig überklimatisiert. Wenn die Räume nicht auf 18 Grad heruntergekühlt waren, wurde die Belüftung stark aufgedreht, bis die Leute wieder freiwillig Pullover tragen und zum Aufwärmen raus auf die Straße mit 30 Grad im Schatten gehen.

Das ist auch bei diesem Accelerator mit verbautem Co-Working-Space der Fall. Allerdings nicht im Keller, sondern im ersten Obergeschoss, komplett ohne Fenster. Dafür zur Hälfte mit den, bereits in den 80ern verhassten Cubicles – diese Ein-Mann-Büro-Papp-Abtrennungen aus den schlechten Filmen und zur anderen Hälfte mit einem riesigen, tristen Raum. In diesem Raum sind die Tische möglichst in 4er/5er-Gruppen zusammengestellt, aber auf einer Höhe eingestellt, die eher der 3. Klasse aus der Schule entspricht. Dadurch bekommt man auch direkt Nackenverspannungen, sobald man an einem Laptop arbeitet. Und anders als in vielen anderen Spaces kann man hier auch lieber gar keine Monitore für die angenehmere Arbeit mieten. Der Anbieter ruht sich einzig und allein auf seinem Ruf aus, statt zu modernisieren.

Ich habe jetzt wirklich schon so einige Co-Working-Spaces gesehen, auch in den USA, aber dieses Ding setzt dem Ganzen echt die Krone auf, was Geschmacklosigkeit der Einrichtung angeht.
Ich war gestern wieder mal einen Tag da und hatte dank der Klimaanlage auch direkt für den Rest des Tages einen dichten Hals mit Schluckbeschwerden.

Wir bewegen uns zu langsam

Wenn ich mir ansehe, wie wir Deutschen im Gegensatz zu US-amerikanischen Firmen arbeiten, sind wir nicht nur langsam, wir stehen gewissermaßen still. Zumindest wenn es um technische Innovation geht und darum, mal etwas zu wagen.

Das liegt aber meines Erachtens nicht daran, dass wir das nicht wollen, sondern dass wir zu viel wollen. Wir wollen zu viel zu richtig machen. Das liegt natürlich auch ein wenig an den europäischen Investoren, die dir nicht Geld für eine Idee, sondern nur für ein marktreifes Produkt geben wollen. Es liegt auch daran, dass wir nicht viele kleine Schritte gehen, sondern immer einen riesigen Schritt machen wollen.
Wir sehen diese Innovationen aus dem Valley und denken: „Boah, das kann ich noch geiler – ich mach’ da direkt ein neues Unicorn draus!“ Es kann aber nicht jeder ein Unicorn bauen. Wir bekommen vielleicht bei 10.000 Neugründungen mal ein Pferd heraus, das sich ein Horn auf die Stirn tackern lässt.

Es ist gar nicht so schlimm, auch mal eine Firma zu gründen, die nur etwas Kleines macht und deren Technik in 5 Jahren veraltet ist. Dann wird die Firma eben danach geschlossen, verkauft, was auch immer. Deutschland muss sich dringend verabschieden vom Gedanken, von der Ausbildung bis zur Rente im selben Unternehmen zu verbleiben. Veränderung ist wichtig.

Investoren sind arme Schweine

Natürlich sind die Investoren nicht unbedingt arm, aber arm dran hier im Silicon Valley. Die ständige Belagerung seitens aufdringlicher Gründer ist selbst als Betrachter von außen äußerst unangenehm. Wenn du mit diesen Leuten sprichst und so etwas fallen lässt wie: „Die wollen auch mal ihre Ruhe haben“, bekommt man als Antwort: „Mir doch egal, ich will trotzdem deren Geld!“
Da bekomme ich wirklich Anfälle.

Auf den Investor-Gründer-Networking-Events trifft man am Ende immer nur dieselben Leute: Gründer. Von Investoren kaum eine Spur. Seit der Pandemie und aufgrund der aktuellen Lage haben sich viele einfach komplett herausgezogen.

Endlich mit Profis!

Für mich als Entwickler ist das hier ein Paradies. Gerade im Video- und Livestreaming-Bereich hast du hier natürlich die Profis. Hier findet der Fortschritt statt. Hier befindet sich das Wissen. Hier habe ich Leute, auf die ich heraufschauen kann, die ich gerne für 3 Wochen in meine Wohnung einladen würde und mir würden in der Zeit nie die Fragen ausgehen. Es ist ein Traum!

Home-Office is King

Der Vorteil an den USA ist für die Unternehmen, dass es nicht unbedingt lange Mietverträge gibt. Dadurch kommt es auch, dass einige Unternehmen in der Gegend ihre Büros deutlich verkleinert haben, da eine durchaus hohe Anzahl der Mitarbeiter offenbar keine Lust mehr auf Arbeit in einem Büro hat. Das hybride Arbeiten ist hier durchaus ein großes Ding.

Deutsche Startups haben oft einen Demotivationskünstler

Bei der Unterhaltung mit anderen Gründern ist uns untereinander aufgefallen, dass viele der Firmen jemanden im Team haben, der es schafft oder geschafft hat, das gesamte Team mit der Laune in den Keller zu ziehen, das Team nahezu arbeitsunfähig machen/machten.
Das scheint ein aktueller Trend zu sein und er ist sehr schädlich in Startups. In größeren Unternehmen gehen solche Leute glücklicherweise in der Menge unter und ziehen vielleicht mal ein Team, aber nicht die gesamte Firma runter. So etwas kann schon mal dazu führen, dass Unternehmen wegen des darauffolgenden Stillstands zugrunde gehen.

Firmennamen sind Schall und Rauch

Sieht man in Deutschland einen Bewerber-Lebenslauf mit Firmennamen wie Google, Microsoft oder Apple, gilt die Zusage oft quasi schon als sicher und die Person kann im Arbeitsvertrag das Feld mit dem Gehalt selbst ausfüllen.
Das ist hier glücklicherweise anders, da die Menschen hier an diese Firmen gewöhnt sind und die Personal-Rotation zwischen Unternehmen deutlich stärker fluktuiert. Das ist auch gut so, da ich oft genug Menschen kennenlernen durfte, die zwar solche Firmennamen im CV stehen hatten, aber trotzdem fachlich nicht komplett in der Spur waren.

Tesla-Fahrzeuge überall

Der erste Eindruck auf der Straße hier: „Boah, sind das viele Teslas!“ Ich würde fast schätzen, dass jedes 10. Fahrzeug ein E-Fahrzeug von Tesla ist. In allen drei verfügbaren Farben. Vielleicht sind es auch mehr, aber es kommt mir vor, als wären es nur drei. Und da hier alles sehr weit auseinander liegt, benötigt man selbst für kleine Erledigungen ein Auto. Es gibt auch keine E-Scooter-Anbieter außerhalb der Großstadt. Keine in Mountain View, Palo Alto, Cupertino oder Sunnyvale.
Jetzt ratet mal, was man im Übrigen hier auch nicht an Tankstellen sieht: Ladesäulen. Bei so vielen E-Mobilen würde man denken, dass jede Tankstelle unzählige Ladesäulen hat.
Fehlanzeige! Es sind die Parkplätze an Supermärkten, bei Firmen, an Stores. Genau dort, wo es sinnvoll ist. Und dadurch, dass die Entfernungen hier größer als in Deutschland sind, frage ich mich wirklich, wo bei den Wutbürgern das Problem liegt. Die Antwort ist einfach: im Kopf.

Auto fahren ist so viel angenehmer

Wo wir gerade bei Autos sind: auch wenn Internetvideos ein anderes Bild abgeben, aber das Autofahren macht hier einfach viel mehr Spaß. Die Menschen sind viel entspannter, da die knapp 105 km/h (genauer: 65 mph) Maximalgeschwindigkeit dazu führen, dass alle Fahrzeuge inkl. der Lkw grob das gleiche Tempo haben. Das fehlende Rechtsfahrgebot sorgt dafür, dass alle Spuren gleichermaßen verwendet werden.
Sehr angenehm!


Hier folgt demnächst Teil 2 meiner persönlichen Learnings. Manche Dinge sind für manche Menschen vielleicht offensichtlich, aber ich wollte es trotzdem mal niederschreiben.


Ich höre keine Podcasts!

30.07.2022 13:14
ca. 4 Minuten Lesezeit

Meine Timelines werden sehr regelmäßig befüllt von Posts mit Podcasts: „Die ganze Story könnt ihr hier noch einmal nachvollziehen!“, „Ich habe mich dazu mal ein bisschen mit XYZ ausgetauscht!“, und so weiter.   Meist kein Wort dazu, dass es sich um einen Podcast handelt – weil schon die Labertaschen wissen, dass sonst niemand bei Twitter draufklickt.

Gründe, warum ich mir Podcasts nicht anhöre

Podcasts sind wie Sprachnachrichten – der Ersteller bestimmt, wie sehr er meine Zeit stiehlt. Der oder die Sprecher überlegen, was sie sagen wollen, korrigieren sich und sprechen in einer gewissen Geschwindigkeit. Je nach Deutlichkeit der Aussprache kann man mit schnellerem Abspielen der Tondatei etwas Zeit herausholen, aber das geht nicht bei allen Menschen. Gerade auch, wenn sie nuscheln, was das Zeug hält.   Selbst wenn ich solche Audiodateien auf 1.5-facher Geschwindigkeit abspiele, habe ich bei einer Stunde Podcast noch 45 Minuten Zeit verplempert.

Was die Podcaster auch einfach nicht verstehen: Ich kann einfach viel schneller lesen, als zuhören. Und schneller als sie reden können. Beim Lesen kann man einfach unwichtige Dinge im Kopf ausblenden, was beim Zuhören nicht geht. Diese unwichtigen Dinge werden komplett transportiert und belasten unnötig mein Gehirn bei der Identifizierung der wichtigen Informationen.

Außerdem ist es nahezu unmöglich, Inhalte und Verweise zu finden. Im geschriebenen Wort, gerade im Web, ist es möglich, weitergehende Informationen zu verlinken. Sobald man im Podcast oder in einem Video Verweise auf weitergehende Informationen hat, fallen dann Sätze wie: „Den Link dazu packe ich euch in die Beschreibung.“   Mal abgesehen davon, dass dies auch gerne mal vergessen wird, muss ich mich jetzt erst mal durch die Liste der 30 Links klicken, um herauszufinden, welcher der Richtige ist. Informationen gehören an die Stelle, wo sie erwähnt werden.

Und überhaupt: „Finden“ ist so ein passendes Stichwort. Podcasts sind wie Storys (siehe Instagram, WhatsApp, was auch immer) – komplett weg! Da automatische Transkription in der Erkennungsrate immer noch knapp über „random“ liegt, findet man das gesprochene Wort in keiner Suchmaschine. Von einem Ctrl+F im Browser mal abgesehen. Natürlich erstellen manche Creator grobe Themen- und Kapitel-Übersichten, trotzdem muss ich mir danach noch zwei bis zehn Minuten Gelaber anhören, bis ich an die Information gelange. Vielleicht noch unterbrochen von unnützer Werbung, die ich partout nicht blockieren kann. Und natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass die Werbung in dieser Form Absicht ist. Das ist mir so egal.

Ein wichtiger Punkt ist auch die oben genannte Verlinkung selbst. Das Internet lebt von Quer-Verweisen, Persistenz und Nachprüfbarkeit. Dies trifft auf Podcasts, wie auch Storys zu. Die Verlinkung zu Aussagen in Podcasts und auf verschwindende Storys gewissermaßen nicht möglich. Wie oft hört man Sätze wie: „Ich habe neulich bei XYZ in der Story gesehen, dass […]“ oder „Im Podcast von XYZ hat jemand gesagt, dass […]“. Wie will ich als Zuhörer dies jetzt nachvollziehen? Stellt euch vor, jemand benutzt die Information von Herrn Drosten aus einem Podcast in einer Doktor-Arbeit. Vielleicht ist es noch einfach, die Podcast-Folge zu finden, aber soll der Quellen-Prüfer jetzt wirklich das gesamte Gelaber durchhören? Von automatischer Prüfung durch Tools mal komplett abgesehen.

Wenn wir jetzt noch den Geldfaktor mit in die Rechnung aufnehmen, wird es ganz wild. Stellt euch immer vor, dass euch Informationsfindung Geld kostet und rechnet euch selbst aus, wie wertvoll eure Stunde ist. Jeder Freelancer kennt dies ja. Gehen wir mal ganz niedrig heran und machen es easy: 60 € die Stunde. Die passende Information in einem einstündigen Podcast zu finden, wird euch wahrscheinlich 2–5 Minuten kosten, also 2–5 €. Auf einer niedergeschriebenen Website kostet euch die Suche eher 10–15 Sekunden, damit also 10–15 Cent – großzügig bemessen.

Und dann ist da noch die Barrierefreiheit: für blinde oder sehgeschädigte Menschen gibt es viele Lösungen, Texte entweder vorlesen zu lassen oder auch zu vergrößern. Bei Podcasts gibt es ohne niedergeschriebene Transkription keine Möglichkeit für taube oder hörgeschädigte Menschen, an die Informationen zu kommen.

Zusammenfassend kann ich jetzt behaupten, dass ihr diese 709 Wörter, die ich hier geschrieben habe, in locker 1 bis 2 Minuten gelesen habt. Für die Erstellung habe ich dafür aber knapp 20 Minuten gebraucht und nur eine Person, also ich, musste diese 20 Minuten investieren. Und wenn ich jemanden labern hören will, setze ich mich in ein Sales-Büro.


Reaction-Streams müssen technisch anders werden

25.07.2022 09:47
ca. 2 Minuten Lesezeit

Derzeit schaue ich mehr Streams auf Twitch, als ich noch ansatzweise fernsehe. Was aber in den letzten Jahren immer häufiger geworden ist, sind sogenannte „Reaction-Streams“, in denen betreutes Video-Gucken passiert.   Ein Streamer sucht sich YouTube- oder Mediatheken-Videos aus oder bekommt sie von der Community vorgeschlagen und man schaut diese dann gemeinsam – also ein Screen-Capture des Videos wird gewissermaßen neu verarbeitet und gestreamt. Meist mit dem eigenen Konterfei des Streamers auf dem Video.   Während dieses betreuten Fernsehens wird das Video zwischendrin pausiert und darüber diskutiert.

Was mich daran so stört? Eigentlich sind es diverse Dinge.

Zum einen wird den echten Content-Produzenten die Lebensgrundlage genommen. Ein Streamer mit 10.000 Zuschauern nimmt dem YouTube-Video theoretisch 10.000 Views und damit genauso viele Werbe-Ausspielungen respektive Einnahmemöglichkeiten. Sponsoren zahlen ja am Ende aufgrund der Views der Videos. Nur ein minimaler Teil der Zuschauer wird dieses Video erneut komplett schauen.

Hinzu kommt, dass die Streamer entsprechend die Nutzungsrechte-Kette umgehen. Ein Streamer, der auf Deutsch streamt und in Deutschland sitzt, erreicht aber auch deutschsprachige Zuschauer in anderen Ländern. Manche Mediatheken haben aber aufgrund der fehlenden Rechte eine Blockade für Zuschauer außerhalb Deutschlands in ihre Plattformen integriert. Über den Sinn und Zweck dieser Rechte müssen wir hier nicht diskutieren – die empfinde ich selbst auch als „speziell“, aber wir haben sie leider überall.

Weitergehend könnten wir jetzt auch über den Mehrwert streiten, den ein Reaction-Streamer zum aktuellen Video hinzufügt; genauso wie die Nachverarbeitung dieses Videos und der gekürzte Re-Upload auf YouTube. Das wäre aber nur ein subjektiver Eindruck, der kaum Fakten beinhalten könnte.

Auf Twitch, als größter Livestreaming-Plattform, gäbe es bereits einen Ansatz, da sie ja seit einiger Zeit ein besonderes Feature zum gemeinsamen Schauen von Amazon-Prime-Filmen und -Serien verbaut hat. Mit diesem Feature wird bei allen teilnehmenden Playern auch das Video gestoppt, wenn der Streamer dieses anhält. Auch die Synchronisation für gemeinsame Lacher wird darüber gesteuert.   Über diese Integration wird automatisch das Rechte-Management und die Menge der Views geregelt.

Jetzt könnte man darüber streiten, wie komplex das alles werden würde, weil Twitch jede Mediathek jedes TV-Senders weltweit integrieren müsste, aber ich glaube, dass die Mediatheken-Betreiber entsprechend freiwillig mitarbeiten würden.   Ein Umdenken würde auf der Plattform am Ende ohnehin nur stattfinden, wenn die DMCA bedingten Sperrungen durch Video-Rechte-Inhaber zunehmen würden. Das sollte meines Erachtens auch nicht nur in VODs der Fall sein, sondern auch während eines laufenden Streams.


Gefühle statt Fakten

24.07.2022 20:18
ca. 2 Minuten Lesezeit

Dieses Bild habe ich vorhin im Netz gefunden:

Leider ist es eine perfekte Darstellung dessen, in was für einer Welt wir heute leben. Es geht nicht mehr darum, Fakten zu finden oder über Dinge nachzudenken. Es geht nur noch darum, was die eigenen Gefühle oder die der anderen sagen.
Da wir aber heute nicht mehr in der Lage sind, über unsere eigenen Schatten zu springen, sondern nur noch vor ihnen wegzulaufen, wird es uns komplett das Genick brechen, dass die Menschen alles mit Gefühlen verbinden.

Das zeigt sich schon bei Kleinigkeiten, wie beim Lesen von Texten. Da werden Inhalte und Emotionen in die Texte gedichtet, die vom Schreiber nie beabsichtigt waren. Ich hatte dazu bereits Diskussionen über Emojis wie den Zwinkersmiley. Bei einigen Twitch-Streamern werden Chat-Nachrichten automatisch gelöscht, sobald sich ein 😉 darin befindet, weil diese Menschen zu viel in dieses Symbol hineininterpretieren.

Meine Empfehlung ist daher, zugunsten der Menschheit gelegentlich lieber mal die Gefühle abzuschalten und mehr auf das Gehirn zu hören. Damit meine ich aber nicht das Gehirn, was euch nachts vom Schlafen abhält, weil es mal wieder über unsinnige Dinge nachdenkt wie: „Wie würden Stühle aussehen, wenn wir unsere Kniescheiben hinten hätten?“. Eher wie das Gehirn, was darüber nachdenkt, ob man lieber ein paar Euros mehr ausgibt, aber das Produkt nicht regelmäßig neu kauft oder lieber die Billigvariante, die beim Aufreißen der Packung schon auseinanderbricht.


Bester Sonntagsspam

17.07.2022 20:11
ca. eine Minute Lesezeit

Frage: Wie schlecht wollen Sie Ihren Spam?
Spammer: Ja!

Was erheitert einen mehr an einem Sonntagabend?


Hugo und seine Shortcodes machen mich irre

17.07.2022 12:48
ca. eine Minute Lesezeit

Die Menschen, die diesen Beitrag lesen, haben wahrscheinlich den Feed abonniert und in den letzten Tagen echt eine Krise bekommen, weil ständig Artikel als “neu” oder “bearbeitet” angezeigt wurden.

Erstmal ein dickes Sorry von mir und danke, dass ihr trotzdem noch den Feed abonniert.

Der Grund war ein kleiner Umbau im Hintergrund. Ich habe neulich jegliches JavaScript von meiner Seite entfernt, nachdem ich ja schon vor Jahren die Cookies entfernt habe. Dafür musste ich die Tags in den Shortcodes umbauen, damit ein entsprechender Klick auf die Bilder die passende große Version anzeigt.
Im Feed widerum soll das zweite notwendige Image allerdings nicht ausgeliefert werden.

Wie also liefer ich unterschiedliches HTML bei unterschiedlichen Format aus? Die Doku ist da wenig hilfreich:

Bis ich dann nach diversen Tests rausgefunden habe, dass Hugo einfach random ignoriert, dass mein Shortcode sein bereits eingebautes Figure-Shortcode überschreibt, nimmt es auch einfach random ein passendes Template, wenn man es, wie ich es getan habe fig.rss.html und fig.html.html benennt. Denn so macht man dies nämlich für unterschiedliche OutputFormats. Theoretisch. Denn nein, völlig undokumentiert ist das Format fig.html und fig.xml - oder, je nach Belieben: fig.html.html und fig.rss.xml.

Zum Glück ist der Code in der Hinsicht einfach die beste Doku.


Aussagekräftige Fehlermeldung

14.07.2022 21:58
ca. eine Minute Lesezeit

Hier Internet, ihr wisst doch sonst immer alles. Welches Gerät meint Windows hier? Ich bin überfragt.


Behörden, die Lieder verbieten, denken auch...

14.07.2022 21:02
ca. eine Minute Lesezeit

… dass Wolfenstein 3D und Doom auf den Index gehören, weil die Spieler ja direkt zu Amokläufern werden
… dass eine Chat-Überwachung auch nur ansatzweise durchgesetzt werden kann und Kindesmissbrauch dadurch verhindert wird
… dass ein Leistungsschutzrecht das sterbende Geschäft der Verlage retten kann
… eine künstliche Intelligenz Satire erkennen kann und der Uploadfilter dann nicht greift
… das 9-Euro-Ticket dauerhaft nicht leistbar ist, aber locker doppelt so viel für Kfz-Förderung pro Jahr ausgibt

Wo genau sind wir eigentlich falsch abgebogen in der Zeitlinie? Ich schätze so um das Jahr 2000. Vor Christus.

Update 1 vom 14.07.22 21:10: Ja, ich weiß, dass das Lied »Layla« nicht von Behörden verboten wurde. Habe ich im Übrigen hier auch nie geschrieben. Es wurden aber bereits andere Lieder und Alben verboten, u.a. von der Band »Die Ärzte«. Es ist also kein neues Thema.


Dezentrale Infrastruktur ist toll

14.07.2022 12:24
ca. eine Minute Lesezeit

Wieder einmal ist Twitter down.

Wieder einmal zeigt sich, wie dumm zentrale Infrastruktur ist.
Wieder einmal mag ich das Fediverse und meine eigene Mastodon-Instanz.

Wie verblendet müssen Menschen sein, die das partout nicht verstehen, dass dieses “Aber Twitter/Facebook/Instagram/Tiktok sind so viel besser!” komplett bescheuert ist?


EU vs. Messenger - ich lache hart

09.07.2022 07:53
ca. 4 Minuten Lesezeit

Der aktuelle Entwurf der EU zum Digital Markets Act sorgt derzeit für Zündstoff bei den Messenger-Entwicklern.

Das Gejammer in Kurzform: “Unsere Verschlüsselung ist die Beste und wenn wir interagieren müssen, ist die Sicherheit der User in Gefahr.”

Was sie eigentlich sagen wollen:

»Wir haben keine Ahnung, wie dezentrales Messaging funktioniert«

Signals Server ist zwar Open Source, aber kommunizieren können sie nicht miteinander. Bei den anderen Closed-Source-Produkten: schweres Schulterzucken. Dezentralität ist aber wichtig. Immer wieder fallen Messaging-Dienste aus, wenn wir aber eine sinnvolle verteilte Struktur haben, wo sich jeder eigene Server aufsetzen kann, nur dann ist uns egal, wenn ein Admin da draußen mal wieder Mist macht.

Dafür braucht man allerdings ein bisschen Infrastruktur, um eventuelle Ausfälle da draußen auszugleichen.

XMPP und Matrix haben das bereits hinbekommen. Schon Google Talk mit XMPP im Untergrund konnte all dies schon vor Urzeiten. Kein anderer Messenger wollte damals mitmachen und Google hat Talk eingestellt, weil niemand bei der Erweiterung des Standards mitmachen wollte.

»Aber dann fallen Metadaten an!«

Signals Hauptargument ist ja, dass bei ihrem Dienst keine Metadaten anfallen; das ist aber nur möglich, weil man zentral arbeitet. Den anderen Anbietern ist es ziemlich egal. Hier widerum würde ich sagen: hier hilft Dezentralität erneut. Ein Instanz-Betreiber könnte z.B. die Daten einfach nicht speichern.

Jetzt kommen die Signal-User an und pöbeln: “Aber warum müssen überhaupt Daten anfallen?” Nunja, bei einer Server-to-Server-Kommunikation muss man eben erstmal rausfinden, wo sein Gegenüber ist. Auch ein Signal weiß dann, welchen User auf welcher Instanz und womöglich mit welchem Protokoll diese Nachricht dann übertragen werden muss. Aber es wissen nur der sendende und empfangende Server von dieser Kommunikation. Alle anderen Server nicht. So funktioniert übrigens E-Mail (SMTP) schon seit 42 Jahren. Da beschwert sich niemand über Metadaten.

Und warum nicht? Weil es wie immer um Vertrauen geht. Darum ging es eh schon immer. Die Menschen wählen ihren E-Mail-Provider auch nach Vertrauen (oder der Nerd des Vertrauens empfiehlt etwas, aber auch hier ist “Vertrauen” das Stichwort).

»Aber das bricht die Verschlüsselung auf!«

Nö, es bricht DEINE Unzulänglichkeit auf. Die Unzulänglichkeit miteinander zu kommunizieren. Es gibt Standards für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Wenn es doch jetzt nur eine Möglichkeit gäbe, einen gemeinsamen Standard zu entwickeln, bei dem ein User sogar Zugriff auf seinen eigenen Private Key bekommt, sodass nur dieser User die Möglichkeit hat, die Verschlüsselung zu kontrollieren. Aber das weicht halt die Geschäftsidee der Betreiber auf! Mimimi!

Ich stelle mir vor wie es heute wäre, wenn sich Webserver- und Browser-Entwickler nicht auf Standards geeinigt hätten. Das Internet sähe komplett anders aus. Bei Messaging wieder nur: wildes Schulterzucken auf allen Seiten.

»Aber die User wollen das gar nicht!«

Es ist immer wieder lustig, wie Propaganda bei Menschen funktioniert. Man redet ihnen einfach oft genug ein, dass nur der aktuelle Messenger der beste, sicherste und einzig wahre Messenger ist und schon glaubt es der gemeine Endnutzer. Einfach auch, weil ihnen niemand erzählt, wie toll es sonst sein könnte.

Am Ende wollen Menschen bloß mit anderen Menschen kommunizieren, ohne groß über Barrieren nachzudenken. Statt diese Barrieren allerdings einzureißen, redet man künstlich über nicht existente oder selbst verschuldete Barrieren und sperrt den User im eigenen Ökosystem ein. Dank des Stockholm-Syndroms fühlt sich die Reibung zwischen den Systemen für den Benutzer wie Nestwärme an.

»Aber dann sind wir nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette!«

Ausrede! Stellt euch vor, Webserver würden heute noch nur SSLv3 unterstützen. Tja, dann kann halt kein aktiv gepflegter Browser auf die Website zugreifen.
Ein Endnutzer erwartet vom genutzten System, dass es die größtmögliche Sicherheit und bestmöglichen Datenschutz bietet. Wenn etwas dies nicht tut, “regelt der Markt”, wie man so schön sagt. Sobald alle Messenger miteinander kompatibel sind und ein einzelner dies nicht mehr kann, merken die User ganz schnell, dass ein Wechsel sinnvoll ist. Oder würdet ihr für den Besuch einer jeden Website einen separaten Browser installieren wollen?


Die Jungs von Matrix haben dazu einen ausführlicheren Artikel geschrieben.
Und wer jetzt kommt mit: “Mimimi, Matrix wird bezahlt von einem Milliardär und die Metadaten werden alle an eine total schlimme Firma geschickt”, dem sei gesagt, dass ihr euch gerne mal die unterschiedlichen Implementationen anschauen könnt. Es gibt zu deren Protokoll auch andere Entwickler, die entsprechende Server und Clients bauen. Aber davon wollt ihr natürlich nichts wissen - das würde eurem Narrativ schaden.

Update 1 vom 09.07.22 10:00: Ich hab ja ganz vergessen zu erwähnen, dass der EU-Vorschlag vorsieht, dass man sogenannte Gatekeeper dazwischen setzen will, die dann die Interoperabilität herstellen sollen. Kompletter Bullshit. Die Dienste können das einfach von sich aus, sobald sie sich endlich auf einen technischen Standard einigen.