Künstliche Fragilität

Wir leben gerade mal wieder in einer „spannenden“ Zeit. Alles verändert sich schneller, als uns lieb sein kann. Dadurch brauchen wir eine Sache immer mehr: Stabilität. Aber die breite Masse geht in die andere Richtung.

Viele Menschen in der Technikbranche beobachten gerade eine gewisse Umformung ihrer Tech-Landschaft. Durch die Politik der USA geht ein gewisser Trend in Richtung Self-Hosting, zur Abkehr der US-Clouds, Kündigungen von Abos amerikanischer Medien-Unternehmen.

Grundsätzlich bin ich diesem Trend nicht komplett abgeneigt, aber solange wir CPUs von Intel oder AMD nutzen, gibt es weiterhin eine Abhängigkeit. Besser wird es nicht automatisch, wenn wir Chips aus China nutzen, aber das sei nur am Rande erwähnt.

Bei Software ist ein Umstieg natürlich viel einfacher, als bei Hardware. Also lieber nutzen die Leute ein LibreOffice statt Microsoft 350 (die 365 Tage Uptime haben sie ja schon lange nicht mehr) oder alternative Browser, die entweder alle Googles Blink als Basis haben oder die inzwischen nicht bessere Firefox-Engine Gecko.

Ein Umstieg auf Browser wie Brave stellt die Leute vor andere Probleme, wie z.B. die Crypto-Bros hinter dem Browser oder der integrierte AdBlocker, der ähnlich wie damals der Adblock-Plus-Müll der Eyeo GmbH, der einfach die Werbung durch andere Werbung ersetzt.
Eine echte Alternative ist da eigentlich nicht in Sicht.

Und dann sind da die Messenger

Seit Jahren predigen Leute, man solle doch lieber Signal statt WhatsApp nutzen. Also vom Regen in die Traufe, da die Signal Messenger LLC. am Ende auch nur ein Unternehmen ist. Und es sitzt in den USA. Von einer Abhängigkeit in die nächste. Aber ist Threema die Lösung? Als Schweizer Unternehmen sitzt das Unternehmen zumindest schon mal hier. Aber auch hier wieder: von einer Abhängigkeit in die nächste. Wenn das Unternehmen weg ist, ist es weg.

Warum nehmen wir die aktuelle Zeit nicht direkt als Grundstein für echte dezentrale Plattformen? Das Internet wurde damals genau für eine solche Dezentralität entwickelt. Wir müssen es nur nutzen.

Wir sollten nicht über Produkte diskutieren, sondern über Protokolle

Stellt euch vor, wir würden keine E-Mail versenden, sondern nur eine Gmail, weil der E-Mail-Dienst am größten ist. Und dann kommt Microsoft und versendet nur noch eine Hotmail, die andere Features hat und inkompatibel ist. Klingt komisch, oder? Also, warum versenden wir dann Word- oder Excel-Dokumente?

Genauso ist das bei Messengern. Wie kann ein einziger klar denkender Mensch der Meinung sein, dass es sinnvoll klingt, eine WhatsApp- oder eine Signal-Message zu versenden? Warum nicht eine Nachricht, die jedes Gerät verschlüsseln, versenden, empfangen, entschlüsseln und anzeigen kann?
Oh, wait… das gibt es seit 30 Jahren und nennt sich SMS. Heute sogar in modern als RCS. Und sobald Apple eine neue Version von iMessage ausliefert, um auch eine Verschlüsselung zu unterstützen, gibt es noch weniger Gründe für WhatsApp und Signal.

Ansonsten gäbe es da noch so viele andere Protokolle wie IRC, XMPP (Jabber) oder Matrix. Die sind alle dezentral und funktionieren. Kein Unternehmen, das einfach pleitegeht und dann alles weg ist (siehe AIM, Yahoo-Messenger, ICQ, etc.), das verkauft wird und alle Daten landen plötzlich bei anderen, denen man nie vertraut hat (siehe Skype und ICQ).

Selbst wenn wir gerade mit der Schweiz ein gutes Verhältnis haben und Threema eine noch okaye Lösung darstellt, wisst ihr nicht, was nächstes Jahr ist. Und irgendwann hat kein noch so guter Freund mehr Lust, ständig den Messenger zu wechseln.

Warum also halsen wir uns ständig neue fragile Lösungen auf?

Zusammenfassung   (Anklicken zum Anzeigen)

Bitte hör auf, deine Aufmerksamkeitsspanne zu verkürzen, indem du ständig Kurzvideos schaust. Lies einfach den Text und lern wieder, zu verstehen. Nimm dir Zeit! Sonst bist du so dumm, wie die Menschen, die ich hier anspreche.


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