Menschen nicht bereit für das Internet - Teil 2

30.05.2024 22:37
ca. 3 Minuten Lesezeit

Ich war in diesem „Draußen“. Empfehle ich mal so gar nicht. Da sind nämlich Menschen.

Aber dennoch hatte das ja einen Grund: Google hatte in der Berliner „Arena“ zu seinem Google Cloud Summit „Nord“ eingeladen. Natürlich, wer zählt Berlin nicht zu Norddeutschland? 🤦‍♂️

Dort fühlte man sich wie auf einem Investor-Pitch – ununterbrochen nur AI, AI und natürlich AI. Gemini hier, Gemini da. Für mich persönlich gibt es derzeit keine künstliche Intelligenz, da sie nur von natürlicher Intelligenz gebaut werden könnte. Aus unbekannten Gründen ist diese aber in den 90ern verloren gegangen.

Also nimmt man diesen riesigen Haufen an If-Else-Kombinationen gepaart mit den schlecht ausdefinierten statistischen Werten und bewirft alle Probleme und Lösungen damit, in der Hoffnung, zufällig ein neues Problem zu finden. Mancher würde sagen, dass man damit Lösungen findet. Aber in ein paar Jahren werdet ihr sehen, dass mein Ausdruck hier gestimmt hat.

Niemand von den Google konnte mir meine Fragen beantworten, welche meiner Probleme man mit Gemini, egal in welchem Produkt, lösen könnte. Vor allem nicht bei Google Workspace. Ich fragte, warum ein Gemini-User bei Google Workspaces mehr kosten würde als ein normaler User im Enterprise-Tarif. Die Antwort war, dass Gemini wirklich teuer im Betrieb sei und noch weiteres Blabla wie „aber deine Daten bleiben bei uns und andere Modelle lernen nicht aus deinen Daten“.

Jetzt könnt ihr euch daraus schon mal zwei Dinge zusammenreimen:
Wenn die Nutzung der „KI“ bei „kostenlosen“ Non-Workspaces-Accounts nichts kostet, seid ihr nicht nur das Produkt, wie sonst üblich – da steckt noch viel mehr dahinter. Was genau, überlasse ich eurer Fantasie.

Zum Anderen: heißt es dann etwa, dass eure Daten im Drive, Mail, Photos etc. wirklich dauerhaft als Trainingsmaterial herhalten müssen? Wer von euch hat denn da Daten liegen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind? Werden eure Pitches oder rechtlich wichtige Inhalte vielleicht demnächst in anderen Dokumenten vorgeschlagen?

Ein Anwendungsbeispiel ist mir als besonders schlechter Anwendungsfall im Kopf geblieben: Man stelle sich vor, dass sich ganz viele Menschen auf eine Stelle bewerben (Google kennt die Sache mit dem Fachkräftemangel einfach nicht) und die Personal-Fachidioten nutzen Gemini zur Vorsortierung, dann kann Gemini anhand von Suchkriterien die Lebensläufe der passenden Bewerber schon mal in ein Google-Drive-Verzeichnis legen.
Habt ihr auch schon eure Hand im Gesicht bei dem Vorschlag? Ich hatte nicht genügend Hände, die ich mir ins Gesicht prügeln konnte.

Aber gute Idee: Ich werde dann in Zukunft nicht mehr Suchmaschinen-Optimierer, sondern KI-Optimierer. Ich werde den Leuten vorschlagen, Bullshit mit in die PDFs zu schreiben, z. B. eine Auflistung, welche Programmiersprachen man nicht mag und welche Technologien kompletter Bullshit sind; am besten fängt die Liste mit „KI“ und ChatGPT an und hört mit Java auf. Als könnte der Dreckscode solch eine Liste sinnvoll parsen und verstehen, geschweige denn, dass einer von diesen Schnieptröten in der HR den Bullshit wirklich liest oder versteht.

Und was machen die ganzen Schlipsträger, die Google da eingeladen hat? Feiern den Quark, weil die Firma dann auf ihrer Website und im nächsten Newsletter sagen kann: „Wir nutzen KI!“
Die vielen „Prof. Dr.“ Präfixe vor den Namen haben die sich entweder gekauft oder in Philosophie gemacht. Zumindest nicht aus der Informatik.

Ich ertrag’ das alles nicht mehr!


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